Hufe

 

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HUFEISEN ODER NICHT? 

‘No Foot, No Horse’ 

Dieses Sprichwort gibt es schon seit es das Reiten gibt, wobei es heute so richtig und wichtig ist wie damals. Die Realität ist, dass wenn ihr Pferd aufgrund der physischen Belastung, der wir es aussetzen, keine balancierten und gepflegte Hufe hat, kommt die Rechnung prompt.
Viele Jahre waren Pferdebesitzer zufrieden, wenn die Hufe ihres Pferdes alle 6-8 Wochen vom Hufschmied überprüft wurden und verschwendeten keinen weiteren Gedanken daran. Glücklicherweise ändert sich das gerade langsam. Mehr und mehr Pferdebesitzer erkennen die negativen Auswirkungen von beschlagenen Hufen und die Vorteile von unbeschlagenen Hufen.

Die wichtigsten Argumente für Barhuf sind:

  • Gute Durchblutung  
  • Normalen Stoffwechsel 
  • Normale Temperatur 
  • Gute Qualität und Menge von Hornwachstum 
  • Ausscheiden von Abfallprotein als Horn 
  • Gute Stoßdämpfung  
  • Gesundes Gewebe 
  • Halt und Traktion 

Eine der schockierendsten Statistiken, die ich je gelesen habe, kam direkt von Walt Taylor, dem Präsidenten der Weltvereinigung der Hufschmiede (aus einem Editorial von Frank Lessiter, American Farriers Journal, Nov. 2000).  Darin wurde aufgezeigt, dass 90% der Reitpferde in der Welt entweder lahm und nicht einsatzfähig oder lahm und einsatzfähig sind.  Im Gegensatz dazu bleiben wilde Pferde gesund und leben länger, trotz dem Fehlen von menschlicher Fürsorge, inklusive Hufeisen.

Die Fragen ist ‚Warum?’.
Luca Bein, Universität von Zurich präsentierte 1983 eine Studie, die zeigte, dass mit einem normalen Metallhufeisen beschlagene Hufe 60-80% der normalen natürlichen Stoßdämpfung fehlen. "Ein beschlagener Huf kriegt beim Gang auf Asphalt 3-mal stärkere Stöße als ein unbeschlagener Huf beim Trott auf Asphalt.”
 

In 1993 veröffentlichte Chris Pollit aus Australien eine Video-Studie, die den Blutkreislauf eines beschlagenen und eines unbeschlagenen Pferdes vergleicht. Er konnte klar aufzeigen, dass die Durchblutung  sogar bei einem Hufeisen mit Gummidämpfern beeinträchtigt war. Im Buch  ‘Hoof Shoeing, Hoof Problems' von H. D. Koerber, herausgegeben in  1997 wird aufgezeigt, dass „Hufe zu beschlagen das Wachstum von Horn reduziert“. Es wird nicht nur die Durchblutung reduziert, sondern auch der Stoffwechsel eingeschränkt und die Temperatur im Huf reduziert.

Pferde, die mit Metallhufeisen beschlagen wurden haben: 

  • Reduzierte Zirkulation 
  • Reduzierten Stoffwechsel 
  • Reduzierte Temperatur 
  • Reduzierte Qualität und Quantität von Hornwachstum 
  • Höhere Belastung 
  • Verstärktes necrotisches (totes) Gewebe durch Beschädigungen 
  • Verstärkte Huf Kontraktion 

Obwohl ich persönlich denke, dass – wenn möglich – Pferde unbeschlagen leben sollten, ist der Prozess der Umstellung von beschlagen auf unbeschlagen nicht einfach.  Es ist auch nicht immer die richtige Lösung. Die meisten Pferde bekommen ihre ersten Hufeisen wenn sie 3 oder 4 Jahre alt sind, manchmal sogar früher. Die Bildung und die Gesundheit des Hufs könnten damit schon über mehrere Jahre negativ beeinflusst worden sein. 

Nur die Hufeisen abzunehmen und zu erwarten, dass Ihr Pferd das wegsteckt, ist definitiv nicht die Lösung. 

Jede individuelle Situation muss in Betracht gezogen werden. Das Alter des Pferds, Rasse, Verwendung/Sportart und der aktuelle Gesundheits- und Hufzustand spielen hier eine Rolle. Einige Pferde werden nie in der Lage sein, komplett ohne Hufschutz zu sein. 

Es gibt hier keine schnelle Lösung in dieser Frage. Der Prozess braucht Zeit und niemand kann Ihnen zu Beginn sagen, wie lange Ihr Pferd dafür brauchen wird. Falls Sie nicht bereit sind, Ihrem Pferd die nötige Zeit zu geben, dann fangen Sie den Prozess erst gar nicht an!  

Bitte beachten Sie einen erfahrenen und offenen Hufexperte brauchen, der den Übergang zum unbeschlagenen Pferd versteht und der Ihr Pferd in dieser Phase unterstützen kann. Es geht aber trotzdem nie über Nacht. 

skeleton_anglesWAS IST EIN AUSGEGLICHENER HUF? 

Hier sind wir wieder mal in einer Frage, bei der es viele Meinungen gibt.  Die meisten Hufschmiede und Tierärzte verfolgen eine bestimmte Balance-Theorie und arbeiten ausschließlich mit ihr. Es ist schwierig als ein Pferdebesitzer, aus der Vielzahl der Theorien einen Überblick zu bekommen und herauszufinden, was das Beste ist für Ihr Pferd. 

Meiner Meinung nach entscheidet hier gesunder Menschenverstand. Wenn man über Gleichgewicht redet, muss man die Hufkapsel (was wir von außen sehen) und die Knochenstrukturen von Fuß, Bein und Körper in Betracht ziehen. 

Deswegen sieht ein ausgeglichener Huf auch so aus, wie er aussehen muss – für das betreffende Pferd – wenn Sie seinen Körperbau in Betracht ziehen.   

Konkret heißt das: der Winkel der Hufkapsel und des Hufbein sollten parallel sein zum Winkel des Fesselbein und der Schulter. Ein Pferd im Gleichgewicht steht auf einer perfekt geformten Hufkapsel und einer Knochensäule, die perfekt ausgerichtet ist zum Rest des Körperbaus.

Ein ausgewogener Huf ermöglicht den Füssen, Beinen und Körper Ihres Pferdes optimal zu funktionieren. Er kann Stöße und Erschütterungen absorbieren. Der Huf im Gleichgewicht kann den enormen Druck durch die Bewegung Ihres Pferdes so verteilen, dass Belastung und Verletzungen minimiert werden. 

JEDER HUF ERZÄHLT EINE GESCHICHTE 

Einer der Wege, wie ein Pferd das Ungleichgewicht im Huf ausgleicht, ist durch Verformung der Hufkapsel. Das erste Erkennungszeichen ist der sogenannte Haaransatz am Huf, die Haaransatzlinie. Klassisch schauen wir zunächst auf den Teil des Hufs, der auf dem Boden aufsteht, wenn wir an Balance denken. Die Oberfläche des Hufs kann flach sein und perfekt balanciert aussehen, ohne das auffällt, das im oberen Bereich bereits Anzeichen von früher Hufdeformation und Ungleichgewicht sichtbar sind.  Bei aufmerksamer Betrachtung der Form, des Winkels und des Zustands des Hufs, können Sie alles Wesentliche erkennen. Ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen, hier die drei wesentlichen Punkte: 

Die Haaransatzlinie Story 

Die Haaransatzlinie am oberen Bereich des Hufs sollte gerade und gleichförmig sein, mit einem langsam abfallenden Winkel zum hinteren Bereich des Hufs.  Wenn sie irgendwie ungleich oder verzerrt aussieht, Dellen oder Beulen aufweist oder der Ansatz zurück geht, deutet des oft auf zu hohen Druck durch einen Huf, der nicht im Gleichgewicht ist hin.

Risse in der Hufwand

Risse in der Wand deuten auch auf einen zu hohen Druck hin.

Kerben und Beulen

Dies kann sowohl eine Indikation zum Gesundheitszustand Ihres Pferdes als auch ein Druck Problem sein. Wenn ein Pferd Hufrehe hatte, zeigen sich diese Anzeichen normalerweise.
Es ist oft ein Zeichen, dass der Huf besondere Pflege zur Rehabilitation braucht, da es durch die Krankheit beeinträchtigt wurde.

 

Bitte beachten Sie, dass kein Teil der Information auf dieser Website als Ersatz für die kompetente Beratung durch Ihren Tierarzt, Hufexperte oder sonstigen Profi ist.